Segnungsgottesdienst

Pastor Karsten Weidisch freut sich über die Vielfalt.

Die Queergemeinde Münster hieß gemeinsam mit der Gottesdienst-Gemeinde vor Ort rund 25 Mensch zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst an einem stinknormalem Dienstag willkommen. Die Rede ist von einem Segnungsgottesdienst, in dem Menschen ein Segensangebot gemacht wird, die aus der römisch-katholischen Norm fallen, wie z. B. queere Partnerschaften, oder wiederverheiratet-geschiedene Partnerschaften. Aber auch jede und jeder Einzelne konnte einen individuellen Segen erhalten. Kurz: Alle Menschen und Partnerschaften die einen Segen wollten, haben einen erhalten.

Jan Baumann erklärt, dass die katholische Kirche hierbei in keiner guten Position stehe. Sie könne sich längst nicht mehr die Frage stellen, ob sie diesen oder jenen Lebensentwurf segnen wolle. Vielmehr müssten sich queere Menschen die Frage stellen, ob sie von einer katholischen Kirche einen Segen empfangen möchte. Jene nämlich, die mit doppelmoral durchtränkt sei, in der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs nicht vorbildlich verlaufe und in der überhaupt über Jahrzehnte sexueller und machtausübender Missbrauch betrieben wurde, in der Frauen nicht die gleichen Rechte hätten, wie Männer und in der sich queere Menschen ohnehin Jahre lang unerwünscht fühlten, so Jan Baumann weiter. Karsten Weidisch ergänzte, ihm käme die Galle hoch, wenn Theologie und Texte der Bibel missbräuchlich und aus Machtbesessenheit ausgelegt würden, statt in der Bibel von Liebe zu lesen.

Beide seien sich einig, dass es nicht die katholische Kirche sei, die Segne, sondern, dass es der Mensch sei, der Gott um den Segen bitte. Und, dass es in der Pfarrei St. Joseph Münster Süd, in der die Queergemeinde beheimatet ist, schon seit Jahrzehnten authentische Menschen gäbe, die wissen, dass es so nicht weitergehe und die einen Aufbruch suchten. Gottes Segen, Gottes Geist wehe, wo er will. Liebe gewinnt.

„Liebe gewinnt“ ist eine Aktion, die als Reaktion auf die Verlautbarungen aus Rom vom 15.03.2021 entstanden ist. In dieser wollte Rom ein Teil der „verrückten Reformbewegungen“ in Deutschland gleich zu Beginn im Keim ersticken und verbat den Segen für queere, sowie wiederverheiratet-geschiedene Menschen. Die Antwort darauf waren mehr als 100 Segnungsgottesdienste deutschlandweit, die im letzten Jahr am 10. Mai 2021 gefeiert wurden. In diesem Jahr wurde die Aktion wiederholt und die Queergemeinde mit Pastor Karsten Weidisch beteiligte sich daran.

/jb